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Wer ist verantwortlich für die Entführungen in der Küstenregion?

Ehlen Dergisi1. Juni 2026

Rachel Ghannoum

Vermisstenfälle und Menschenrechtsverletzungen bei Mädchen in Syrien nehmen zu

Die 20-jährige Seham Ramez El-Huluf, die in einem kleinen Dorf im südlichen Umland von Masyaf lebt, ging zum Lebensmittelgeschäft in der Nähe ihres Hauses und kehrte nie zurück. Was wie ein gewöhnlicher Vermisstenfall aussieht, birgt in Wirklichkeit erschreckende Fragen: Wohin ist Seham verschwunden? Wer steckt hinter dieser Angst, die sich wellenartig in den Dörfern und Städten Syriens ausbreitet? Und warum müssen Familien jeden Tag mit dieser unerbittlichen Angst um ihre Töchter und Kinder leben?

In den letzten Jahren ist in vielen Regionen Syriens ein erheblicher Anstieg der Meldungen über das Verschwinden von Mädchen und minderjährigen Jugendlichen zu verzeichnen. Gleichzeitig werden widersprüchliche Behauptungen aufgestellt, wonach hinter den Vorfällen Verbrechen wie „Menschenhandel“, „Lösegeldentführung“, „Erpressung“ und „organisierte sexuelle Übergriffe“ stecken. Die kritischste Frage ist jedoch: Handelt es sich bei den Geschehnissen um Einzelfälle? Oder gibt es ein organisiertes Netzwerk, das die Sicherheitslücke und den gesellschaftlichen Zusammenbruch ausnutzt, um seine Opfer zu jagen?

Rechtslosigkeit oder Mangel an Gerechtigkeit?

Wenn ein junges Mädchen verschwindet, beginnt für ihre Familie ein unerbittlicher und zermürbender Suchprozess: Telefonate, überall aufgehängte Fotos, Schreie, Polizeistationen und Social-Media-Beiträge… Was aber geschieht danach? Gibt es einen schnell funktionierenden rechtlichen Mechanismus, um vermisste Personen zu finden? Werden die Fälle des Verschwindens von Frauen als echte Sicherheitspriorität behandelt? Und wer überwacht die Verzögerungen bei der Intervention in den „ersten Stunden“, die in einem Vermisstenfall die kritischsten Momente sind?

Nach den Grundprinzipien des internationalen Menschenrechts ist der Schutz von Zivilisten, insbesondere von Frauen und Kindern, nicht nur eine moralische Entscheidung, sondern eine rechtliche Verpflichtung für staatliche Behörden, Sicherheitskräfte und Justizinstitutionen.

Warum haben Familien Angst zu sprechen?

Viele Familien ziehen es vor, zu schweigen. Nicht weil sie keine Gerechtigkeit wollen, sondern aus folgenden Ängsten: Sorge vor gesellschaftlicher Stigmatisierung (Makel), Drohungen, Racheakte oder die Beschuldigung des Opfers…

Aber wer hat diese Mentalität geschaffen, die das Opfer auf die Anklagebank setzt? Wer hat die Gesellschaft davon überzeugt, dass es sicherer ist zu schweigen, als Gerechtigkeit zu suchen?

Ist der Krieg zum idealen Nährboden für Menschenrechtsverletzungen geworden?

Jahrelanger verheerender Krieg hinterließ eine fragile soziale Realität: Armut, Zwangsmigration, Zerrüttung der Familienbande, ein Leben im Schatten der Waffen und die Lähmung der rechtlichen Kontrollmechanismen… In solchen Chaosumgebungen finden organisierte Verbrechen einen Nährboden: Entführung, Erpressung, sexuelle Gewalt und Menschenhandel nehmen rapide zu.

Doch die brennende Frage steht immer noch im Raum: Wie viele Mädchen müssen noch verschwinden, damit alle aktiv werden? Wie viele Mütter müssen noch mit Tränen in den Augen an ihren Türschwellen warten, damit dies als nationale Katastrophe anerkannt wird?

Frauen sind keine Kriegsbeute

Keine politische, religiöse oder soziale Begründung kann die Verwandlung von Frauen und Kindern in Werkzeuge der Angst oder Botschaften der Rache rechtfertigen. Menschenraub ist ein Verbrechen. Sexuelle Übergriffe sind ein Verbrechen. Und das Verbergen oder Schützen von Tätern ist ebenfalls ein Verbrechen. Jede Rhetorik, die Gewalt gegen Frauen unter welchem Vorwand auch immer rechtfertigt, bedeutet, sich indirekt an diesem Verbrechen zu beteiligen.

Was Syrien heute braucht?

Syrien braucht heute Folgendes: Echten Rechtsschutz für Frauen und Kinder, spezialisierte Einheiten für Vermisstenfälle, transparente Ermittlungen, eine abschreckende öffentliche Verurteilung der Täter, psychologische und rechtliche Unterstützung für die Opferfamilien und viel abschreckendere, strengere gesetzliche Regelungen gegen Menschenhandel und Lösegelderpressung.

Denn Gesellschaften werden nicht nur durch Krieg zerstört; Gesellschaften erleben den eigentlichen Zusammenbruch, wenn das Gefühl des Vertrauens verschwindet.

Und ein letztes Wort…

Seham El-Huluf ist ein neuer Name auf der endlosen Liste der Verluste und Ängste in Syrien. Doch die eigentliche Frage, die heute gestellt werden muss, ist nicht nur „Wohin ist Seham verschwunden?“. Die eigentliche Frage ist: Was erwartet ein Land in der Zukunft, in dem Mädchen sogar Angst haben, den Heimweg zu gehen?